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Alle Macht den Autoren

DIE ZEIT: »Menschen und Figuren, um die es beim Schreiben geht, lassen sich nicht erklären.«

André Georgi: »Beim Schreiben des Buches habe ich irgendwann komplett die Distanz zu meiner Figur verloren. Ich hatte das Gefühl, ich muss da wirklich eintauchen, in diesen Bürgerkrieg, muss mich in die Perspektive dieser Frauen, auch der vergewaltigten Frauen, reinversetzen. Und deshalb war auch der Ausgang aus diesem Buch unvergleichlich viel schwerer als aus jedem Drehbuch, da ich je geschrieben habe.«

Orkun Ertener: »Ich habe auch nur noch aus den Augen meiner Hauptfigur geguckt. Selbstverständlich wird man irgendwann nicht nur zu einer Figur, sondern zu allen.«

André Georgi: »Zu allen - das ist ein ganz wichtiger Punkt. Als Drehbuchautor muss man dieses personale Erzählen aus zig Perspektiven beherrschen. Darauf sind wir geeicht, sonst könnten wir keine Konflikte finden, die wirklich aus den Figuren kommen und nicht von außen aufgesetzt wirken. Und gute Filmdialoge könnten wir erst recht nicht schreiben. Wir leben ständig in diesem 'Was du schreibst, ist, was du siehst'. Das ist eine unheimliche Herausforderung, eine fantastische Schule.«

DIE ZEIT: »Wie kamen Sie mit der Einsamkeit des Schriftstellers klar?«

Sascha Arango: »Die ist mir völlig unbekannt, ich kenne nur die Einsamkeit dessen, der nicht schreiben kann. Ebenjene, die ich fühle, wenn mir nichts einfällt. Das sind Momente wahrhaftiger Einsamkeit. Sobald ich aber schreibe, bin ich frei und bestens unterhalten.«

 

Die Drehbuchautoren André Georgi, Orkun Ertener und Sascha Arango im Interview mit DIE ZEIT am 6. November 2014

 

10.11.2014