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Ich schreibe meine Bücher von vorne nach hinten

Sven Regener, Autor des Bestsellers »Herr Lehmann« veröffentlicht in der Frankfurter Allgemeinen Zeitung seinen Text der Kasseler Brüder-Grimm-Vorlesung.

»Mit meinen Romanen bin ich immer auf einem schmalen Grat gewandelt, habe traurige, ernstgemeinte Geschichten erzählt, und das immer so, dass es dabei viel zu lachen gab. Dem lag keine spezielle Absicht zugrunde. Ich schreibe meine Bücher von vorne nach hinten und ohne großen Plan. Ich beginne mit einer, höchstens zwei Figuren, die ich einfach mal loslaufen lasse, und dann erfinde ich beim Schreiben weitere Figuren, wie sie gerade nötig sind oder sich aufdrängen, und je mehr Leute ich in den vorderen Kapiteln spontan und auf Verdacht erfinde, umso mehr kommen mir diese Leute am Ende zugute.«

»Ich verstehe mich als Autor meiner Romane auch als deren erster Leser. Wenn ich mich beim Schreiben langweile, kann ich von anderen Leuten nicht erwarten, dass sie sich beim Lesen gefesselt fühlen.«

»Humor ist eine kalte Technik, deshalb braucht man als Romanautor, der mit Witzen hantiert, eine Menge Realismus, eine Menge Liebe und eine Menge Bereitschaft zum Jammern und Schaudern, damit sowohl Autor wie auch Leser nicht zu hartherzigen Voyeuren werden, die über andere lachend zu Gericht sitzen und dabei gar nicht merken, dass der Witz, wie alle Witze, immer auch auf ihre eigenen Kosten geht.«

Frankfurter Allgemeine Zeitung vom 18. August 2016

Sven Regener

 

23.08.2016