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Ich will, dass alle Wörter am richtigen Ort sind

Der amerikanische Schriftsteller Richard Ford erzählt im ZEIT-Interview über sein Schreiben. Und identifiziert sich mit seiner Person als Neunzehnjähriger.

Kann man sagen, Sie stehlen Wörter, um sie in Ihren Besitz zu bringen?
»Ich sehe mich nicht als Dieb von Wörtern und Begriffen. Im Grunde betrachte ich mich, wenn ich schreibe, als den rechtmäßigen Besitzer der Sprache.«

Der Schreibprozess bringt Dinge hervor, die das bloße Denken nicht zutage gefördert hätte. Warum?
»In dem heißen Schmelztiegel, dessen du dich bedienst, während du schreibt, entstehen Dinge, die das Denken allein nie hervorholen könnte. Der Zusammenhang mit anderen Autoren, das Empfinden, anderen mit deinen Texten helfen zu können - das alles stellt eine sehr produktive Hitze her.«

Fühlen Sie sich manchmal selbst wie ein Schauspieler? Ein Schauspieler, der die Rolle eines Romanschriftstellers spielt?
» ... Die Person, mit der ich mich identifiziere, wenn ich über mich nachdenke, das bin ich, als ich 19 Jahre alt war. Ich weiß nicht, ob das bedeutet, dass der 72-Jährige, der hier sitzt, ein Schauspieler ist, der sich immerzu verstellt, weil er im Innersten ein 19-Jähriger ist - oder bedeutet das im Gegenteil, dass ich kein Schauspieler bin? Ich weiß es nicht.«

Schreiben Sie auch nachts?
»Die tiefe Nacht kommt nur in der Endphase eines Buches infrage. Das ist eine monomanische und obsessive Phase, die mich 18 Stunden am Stück wach hält. Ich will, dass alle Wörter am richtigen Ort sind. Und um das zu schaffen, muss ich das ganze Buch in meinem Kopf haben - fast so, als könnte ich es auswendig.«

Wo werden Sie sich beerdigen lassen?
»... Ich werde dort liegen, wo ich den größten Teil meines stillen, fantastischen inneren Lebens verbracht habe. Das wird mein Leben nach dem Tod sein: Ich werde mich zu den Figuren gesellen, die ich als Autor geschaffen habe.«

 »Es ist mir scheißegal, ob Donald Trump mich liest« - Richard Ford im ZEIT-Interview vom 2. Juni 2016.

 

09.06.2016