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Im Kopf passiert etwas Neues

Es ist gar nicht so einfach: Mehr Sport treiben, gesünder ernähren – das Jahr 2015 haben viele Menschen mit guten Vorsätzen begonnen, scheitern dann aber schnell. Im Interview erklärt der Kasseler Motivationstrainer Andreas Knierim, wie man langfristig durchhält.

Herr Knierim, warum scheitern so viele Menschen mit guten Vorsätzen?
Andreas Knierim: Die guten Vorsätze, die viele fassen, sind eigentlich sinnlos. Wenn wir Vorsätze fassen, ist das wie ein altes Denkmuster, in das wir zurückfallen. Zum Jahreswechsel denken sich viele Menschen: Ich habe so viel gegessen, mich wenig bewegt. Jetzt muss ich mal wieder was tun. Das, was ich im vergangenen Jahr nicht geschafft habe, kann ich dieses Jahr schaffen. Das ist ein Muster, das im Kopf abläuft und sich wiederholt. Aber das funktioniert mental nicht, wenn ich nicht reflektiere.

Was sind denn die größten Fehler, die Menschen mit Blick auf Motivation machen?
Knierim: Motivation wird im Kopf gemacht. Ich warte nicht darauf, dass mich ein anderer motiviert. Wir wissen aus der neueren Motivationspsychologie, dass wir uns nur selbst motivieren können.

Wie kann man denn kurzfristige Sport-Begeisterung in Langzeit-Motivation verwandeln?
Knierim: Indem ich meine alten Muster anschaue und anfange, nachzudenken. Was will ich wirklich verändern, was will ich langfristig ändern? Die beste Möglichkeit in der Praxis ist: Sich Ziele zu setzen, die auch realistisch sind. Das kann ich mit wenigen guten Formulierungshilfen erreichen.

Wie wichtig sind denn überhaupt andere Menschen beim Erreichen sportlicher Ziele?
Knierim: Wir sind Gruppenmenschen. Wenn ich eine Verpflichtung in der Gruppe eingehe, ist die Verpflichtung wesentlich höher, als wenn ich sie nur gegenüber mir eingehe. Wer daran Spaß hat, sollte Sport immer in der Gruppe machen. Ich sehe, wie dem anderen etwas gelingt, fange an, mich zu vergleichen und sage, das will ich auch.

Darf ich denn meinen Impulsen und dem inneren Schweinehund auch mal nachgeben?
Knierim: Ich würde den inneren Schweinehund aus meiner Sprache streichen. Sagen, ich brauche ihn in meinem Team für mein Training momentan nicht mehr. Wir nehmen dazu die ganz einfache Bild-Möglichkeit, die sich „Inneres Team“ nennt.

Was hat es damit auf sich?
Knierim: Unser Gehirn funktioniert viel schneller über Bilder. Stellen Sie sich eine Startelf aus Personen vor, die Sie auf dem Trainingsweg in Ihren Gedanken unterstützen. Ich brauche einen Ausdauernden, einen, der es genießt, sich ausgepowert zu haben, einen wie Lukas Podolski, der einfach Spaß am Sport hat. Dann würde ich mir noch einen Peniblen holen, der Buch führt, wie oft ich im Training war und die Zeiten erfülle. Diese Akteure sammele ich im Geiste um mich herum und stelle mir vor, und sage Ihnen wie und wann sie mich begleiten. Dieses Bild können Sie für sich immer mobilisieren.

Von Michaela Streuff

Das komplette Interview in der Hessisch-Niedersächsischen Allgemeinen vom 7. Februar 2015 als Pdf-Dokument.

 

09.02.2015