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Schreiben ist Verantwortung zu übernehmen für das, was ich erlebe

Weil mir schreiben wichtig ist, schreibe ich täglich. Es ist egal, wo ich schreibe. Das Schreiben braucht keine Gewohnheit, das Schreiben braucht den Raum. Dieser Raum öffnet sich.

Lange Zeit konnte ich nicht wahrnehmen: dass sich der Raum für das Schreiben öffnet, dass der Kontakt zum Schreiben da ist, dass etwas Ausdruck finden will.

Ich begann zu üben. Schreiben, wenn es »Zeit« war. Kognitiv gesehen eine Herausforderung, emotional eine Niederlage. Es zeigte sich auf dem Papier nicht das, was ich sagen wollte.

Das Üben hat sich gelohnt! Nach und nach bekam ich ein Gefühl, wann es Zeit für das Schreiben ist, wann es das Schreiben braucht, um meine Gedanken festzuhalten.

Schreiben ist Verantwortung zu übernehmen für das, was ich erlebe. Der Augenblick zieht nicht vorbei, der Moment zeigt sich beim Schreiben, im Be-Schreiben, als erstaunliche Gegenwart. Wenn ich mich entscheide, das Erlebte aufzuschreiben, übernehme ich Verantwortung für mein Tun, erzähle mir meine Verantwortung selbst. Es braucht kein Gegenüber, dem ich diesen Augenblick beschreibe - ich würde meine Lebensverantwortung auf dieses Gegenüber übertragen. Ich selbst schreibe, ich bin in meiner Selbstverantwortung.

Heute schreibe ich in jedem Moment, der sich bietet auf das, was zur Hand ist. Ich würde am Rand eines Highways anhalten, ein Notizbuch zücken, aufs Autodach legen und mit dem Schreiben beginnen. So wie es Oliver Sacks gemacht hat - es ist auf einem Bild aus seiner Autobiografie gut zu sehen. Dieses Bild hat mich herausgefordert, heute zu schreiben.

Oliver Sacks: On the Move

Reinhard K. Sprenger: Die Entscheidung liegt bei dir

Methodik: Schreiben ins Logbuch

 

08.07.2015