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Was ich getippt habe, ist gesetzt

In der Frankfurter Allgemeinen Zeitung beschreibt der Schriftsteller Feridun Zaimoglu der Journalistin Ursula Scheer seine Arbeitsweise.

»Wenn Zaimoglu sein handgeschriebenes Material für einen Roman beisammen hat  - anderthalb Jahre hat es für seinen jüngsten Wurf gedauert -, wenn er Zettel mit Skizzen für Anfang, Ende und die Stationen dazwischen in der ganzen Wohnung auf dem Boden ausgebreitet hat und dazwischen hin und her getigert ist, setzt er sich hin. Immer morgens um Viertel nach zehn. Davor zeichnet er, um den Kopf zu leeren, kämpft eine halbe Stunde mit dem Fluchtinstinkt und legt los. Kaffee. Zigaretten. Blatt einspannen. Die Notizen in den Blick nehmen. Tippen, mit einem Finger, aber flink. Aus dem anarchischen Handschriftkonvolut wird ein Text auf Papier, mit jeder Type, die sich schnalzend aus ihrem Widerstand löst und auf den Bogen senkt. Zwei Seiten jeden Tag sind sein Pensum. Er korrigiert fast nichts, und er wütet auch nicht nachträglich mit dem Stift im Geschriebenen. "Was ich getippt habe, ist gesetzt", sagt Zaimoglu und steckt die nächste Zigarette an. Schaut dem Rauch nach und ist kurz still.«

 

17.02.2015